Mittwoch, 6. November 2019

Kurzärmliges Männerhemd - Drama in vier Akten

Mein Mann: "Ich hätte gerne ein kurzärmliges Hemd von dir". Ich: "Na klar, kommt sofort. Lass dich ausmessen und ich konstruier dir eins." Haha, denkste... Beim Konstruktionskurs hieß es, dass Männerschnitte auf Grund einfacherer Silhouette (keine Brüste, keine Taille) viel leichter zu konstruieren wären. Achtung Spoiler: Wie man an den fertigen Fotos erkennen kann, hat es ja doch irgendwann funktioniert, aber es hat mich viele Nerven gekostet. Wenn ich für andere Leute etwas nähe, gebe ich mir noch mehr Mühe und wenn es ein Teil für den Liebsten werden soll, ganz besonders. Es musste also perfekt werden.

Mit der Konstruktion an sich will ich euch jetzt nicht lange nerven, aber folgendes ging schief.
Akt 1: Armloch viel zu klein, also das Armloch am Prototypen vergrößert und den Ärmel neu konstruiert.
Akt 2: Die Passe steht unschön ab.
Akt 3: Passe neu geformt und steht immer noch ab.
Akt 4: Herausgefunden, dass es gar nicht an der Passe, sondern der Schulternaht liegt. Ich musste von der ursprünglichen Konstruktion tatsächlich 4cm !!! Stoff bei der Schulternaht auf Seite des Armloches wegnehmen. Anscheinend ist die Schulterform meines Mannes ziemlich steil, ist mir bis jetzt nie aufgefallen. 


Nachdem das Drama nun endlich geschafft war, gings endlich ans Nähen. Wusstet ihr eigentlich, dass der Steg beim klassischen Hemdkragen auf der Knopflochseite einen Zentimeter länger ist? Gibt im Nachhinein ja auch irgendwie Sinn, wenn man den Knopf am Kragen auch schließen möchte. 


Die Innenseite des Stegs habe ich einfarbig gestaltet, weil das bei gekauften Hemden auch oft so gemacht wird und es gibt nochmal einen zusätzlichen Hingucker. 


Bei den Ärmeln habe ich mich für einen Umschlagsaum entschieden und diesen mit ein paar Stichen gesichert, damit er nicht mehr umklappen kann. 

An der vorderen Mitte habe ich die Knopfseite nur umgenäht, bei der Knopflochseite habe ich einen Beleg aufgenäht. Auch das habe ich an den bereits vorhandenen Hemden abgeguckt. 


Was mir dann außerdem noch an seinen Hemden aufgefallen ist: Fast alle haben französische Nähte. Weil mir das so unglaublich gut gefallen hat und das auch ziemlich ordentlich aussieht, wollte ich das auch unbedingt umsetzen. Ich habe also bei den Seiten- und Armlochnähten 1,5 cm Nahtzugabe zugeschnitten, erst ein Füßchen breit links auch links zusammengenäht, die NZG ganz knapp zurückgeschnitten und dann rechts auf rechts zusammengenäht. Anschließend habe ich diese dann zur Seite gelegt und nochmal festgesteppt. Das macht an den Ärmeln übrigens überhaupt keinen Spaß, aber ich werde es wieder tun. Stoff für ein zweites Hemd liegt auch schon bereit, die Konstruktion steht ja bereits. Was meint ihr? Kann ich das Hemd so nochmal nähen?

Eure NUHFFi

Verlinkt: Sew La La

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Blazermantel Burda 6462B - Walkloden

Meine Kollegin hat mir vor Kurzem einen Mantel gezeigt, den sie sich kaufen möchte. Da hab ich sie gleich getadelt: Sie wird sich doch wohl keinen Wintermantel kaufen, wenn ich ihr einen nähen, ja sogar konstruieren kann. Vor allem, da ich so Großprojekte ja viel lieber mag, als "Ich näh mir mal schnell ein neues Shirt in zwei Stunden". Nachdem mir das konstruieren ja so unglaublich viel Spaß bereitet, habe ich sie direkt vermessen und mit der Arbeit begonnen. Wie ihr an der Überschrift vielleicht erkennen könnt, wurde es keine Eigenkonstruktion - leider. Die erste Konstruktion war viel zu groß, die zweite irgendwie nur noch unpassend, an allen Ecken und Enden saß das blöde Ding nicht richtig. Wir haben den Prototypen eingepackt und ihn der Schneiderin im Stoffgeschäft meines Vertrauens gezeigt. Diese fragte ganz vorsichtig, ob ich nicht vielleicht doch auf einen fertigen Schnitt zurückgreifen möchte. Ja ok, ich habe es verstanden. Wie konnte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn auch annehmen, ich könnte einen Mantel - wohl die Königsdisziplin unter der Oberteilkonstruktion - konstruieren, nur weil ich mir diesen Sommer ein paar Blüschen genäht habe. 


Die Auswahl war relativ schnell getroffen: es sollte der Blazermantel 6462B von Burda werden. Dafür war die Stoffauswahl ein Drama. Weil senfgelb ja gerade voll im Trend ist, war ursprünglich ein gelber Walker geplant. Der wurde dann aber doch von hellgrau abgelöst. Der Beispielmantel im Schnittmuster hatte einen Oberkragen aus Fell, also mein Vorschlag: Machen wir als Hingucker doch auch ein Fell da ran. Jetzt hatten die da tatsächlich gelbes Fell im Laden. Weil das Thema Gelb ja der ursprüngliche Plan war, wurde das mit eingepackt und um die Farbe nochmal aufzugreifen, auch gleich große gelbe Knöpfe. Das Futter ist übrigens grau mit kleinem Karomuster, leider habe ich vergessen, das zu fotografieren. 


Nun mal etwas zum eigentlich wichtigen Thema - das Nähen. Burda passt meistens relativ gut oder fällt etwas größer aus, zumindest bei mir. Und jetzt muss man natürlich auch noch bedenken, dass unter so einen Wintermantel einiges drunter passen soll. Habe mich, nachdem ich die Andrea doch schon ein paar Tage kenne, trotz Maßtabelle für eine Nummer kleiner entschieden und wie man sieht kann man nicht behaupten, dass er zu klein wäre. Aus diesem Grund hat er nachträglich noch einen Gürtel bekommen. Eigentlich passt der sogar so gut, dass man annehmen könnte, er würde da hingehören. Es war zwar ein ziemliches Gefummel, die Gürtelschlaufen im Nachhinein noch anzunähen, aber das gute Stück soll ja schließlich passen und getragen werden. 


Neu war für mich das Nähen eines Reverskragens und das Einnähen von Schulterpolstern. Es handelt sich um eine bebilderte Anleitung von Burda, mit denen man relativ gut arbeiten kann. Das Annähen der Polster war allerdings nicht wirklich erklärt, weswegen ich einfach mal gemacht habe, wie ich meinte. Ich habe sie einfach mit ein paar Handstichen an den Nahtzugaben der Armkugel- und Schulternaht am Oberstoff festgenäht. 

Der Kragen sollte nach dem Zusammennähen mit "schrägen Spannstichen" festgeheftet werden, dann werden die Seitennähte genäht. Habe ich nicht verstanden. Welchen Einfluss haben die Seitennähte denn auf den Fall des Kragens? Vermutlich hat das Nichts miteinander zu tun, sondern kommt einfach als nächster Schritt in der Anleitung, aber überhaupt der Sinn dieser Stiche war mir unbegreiflich. Nachdem der Walker und das Fell sowieso relativ viel verzeihen, habe ich mir das gespart. Mal abgesehen vom Sinn, hätte ich in dem Fell sowieso keinen Faden mehr gefunden. 


Die Knöpfe waren noch eine kleine Herausforderung. Mein Knopflochaufsatz schafft maximal Knopflöcher mit 3 cm Größe. Diese Knöpfe habe einen Durchmesser von 4 cm, macht also eine Knopflochgröße von 4,5 cm. Ich weiß jetzt, dass man so ein Knopfloch auch ohne entsprechenden Nähfuß nähen kann, dann muss man aber schon gut aufpassen, dass das Ganze nicht schief wird. 

Der Schnitt wird in Kürze nochmal vernäht und zwar für mich selbst, allerdings in einem ganz anderen Stil. Seid gespannt. 

Eure NUHFFi


Mittwoch, 16. Oktober 2019

Bluse Andrea Eigenkonstruktion

Wer öfter mal bei mir vorbeischaut, weiß, dass ich im Juni einen Kurs zum Thema Schnittkonstruktion besucht habe. Dort haben wir einen Grundschnitt für einen legere Bluse ohne Abnäher konstruiert und genäht. Nachdem die Kursteilnehmer alle recht flott waren, hatten wir zum Schluss noch Zeit zur freien Verfügung. Diese habe ich genutzt und die Bluse einer Freundin nachkonstruiert. 


Das Original besitzt eine Passe mit darunterliegender Quetschfalte im Rücken, eine Falte unter dem V-Ausschnitt und einen angelegten Stehkragen (oder nennt man diesen hier anders?). Man sieht auf den Fotos, dass mir die Falte im Rücken leider etwas verrutscht ist. Es ist für die Zukunft durchaus ratsam, eine Falte mit ein paar Stichen zu sichern und nicht nur festzustecken.


Der Ausschnitt ist mit Beleg verstürzt. Nachdem es sich um einen relativ dünnen Stoff handelt, habe ich die Falte gleichzeitig in den Oberstoff und den Beleg genäht, d.h. zuerst Beleg verstürzt und dann alles zusammen als Falte gelegt und festgenäht. Gut, dass ich einen Profi vor Ort hatte, ich hätte das mit dem Schnittteil für den Ausschnitt wahrscheinlich alleine nicht geschafft. Der Ausschnitt wird nämlich assymmetrisch zugeschnitten, sieht aus Papier folgendermaßen aus: 




Die Ärmel habe ich richtig schön lange gemacht, ich finde zu kurze Ärmel nämlich ganz furchtbar.
Wie man diesen hübschen Ärmelschlitz näht, wird bei pattydoo recht schön erklärt:
Beim Ärmel gab es mal ein kurzes Drama: Ich Schaf habe das Schrägband zum Einfassen ja nicht wirklich breit gestaltet und beim Öffnen des ersten Knopfloches mittels Nahttrenner bin ich abgerutscht und habe das komplette Schrägband aufgeschnitten. Seitdem öffne ich Knopflöcher nur noch mit einem Skalpell. Dass ich diesen Knopf voraussichtlich nie schließen werde, war mir vorher schon klar, aber ohne hätte es irgendwie auch komisch ausgesehen oder was meint ihr? 


Für den Saum habe ich mir extra ein Saumfüßchen besorgt, weil das damit ja angeblich total einfach ist - alles gelogen. Natürlich gehe ich davon aus, dass auch das mit Spezialfüßchen einiger Übung bedarf, aber ich habe es nach einer Stunde rumprobieren einfach aufgegeben. Ich habe mir für so flutschige Stoffe jetzt eine ganz andere Taktik zugelegt. Einmal mit der Overlock am Saum entlangnähen, dann lässt er sich in der Breite der Overlocknaht ganz hervorragend umlegen. Da muss ich weder lange rummessen, weil die ja immer gleich groß ist, noch muss ich mich mit irgendwelchen Nähfüßchen ärgern, die dann doch nicht das tun, was ich will.
Was sagt ihr zu meiner Bluse? Verbesserungsvorschläge für das nächste Mal?

Eure NUHFFi


Montag, 23. September 2019

Bluse Perle Eigenkonstruktion

Jetzt muss ich euch noch schnell meine neue ärmellose Bluse zeigen, bevor es draußen schneit. ;-) 


Den Schnitt habe ich wieder selbst konstruiert. Auch diesmal bin ich froh, dass ich zuerst einen Prototypen aus Nessel genäht habe. Ursprünglich waren keine Brustabnäher geplant, nach der ersten Anprobe war mir aber klar, dass es ohne nicht geht. Die Armausschnitte haben tief blicken lassen. Und wie man auf den Fotos sieht, muss ich das Armloch nächstes Mal wohl noch etwas größer formen. Ich bin bei der ersten Durchsicht der Fotos richtig erschrocken, weil es ja so aussieht, als wären die Armlöcher supereng. Beim Tragen ist das aber nicht im Geringsten der Fall.


Am Ausschnitt wollte ich unbedingt eine Knopfleiste, auch Pololeiste genannt, haben. Nachdem das bei dieser Bluse eine Premiere für mich war, habe ich mich im Internet erst einmal auf die Suche nach einer Anleitung gemacht. Grob hatte ich zwar eine Idee, wie das funktionieren könnte, aber ganz sicher war ich mir da nicht. Fündig geworden bin ich bei burda, die Anleitung ist wirklich spitze:
Und ich muss ehrlich sagen, dass ich mir das viel schlimmer vorgestellt habe. Man muss zwar schon ziemlich genau arbeiten, aber das muss man bei Nähprojekten aus Webware ja eigentlich immer. 


Um die Knopfleiste noch etwas spannender zu machen, habe ich auf die Seite mit den Knöpfen ein Ripsband aufgenäht. Das gleiche Band habe ich hinten auch als Unterlage für mein Label benutzt. Ursprünglich hatte ich dunkelblaue Knöpfe für die Bluse gekauft. Mein Mann meinte allerdings, dass das unglaublich langweilig aussieht, also bin ich nochmal losgezogen und habe mir Perlmuttknöpfe besorgt. Ich finde sie im Nachhinein auch viel passender. Aus diesem Grund habe ich der Bluse wohl auch den Namen "Perle" verpasst. 


Die Ärmel habe ich mit selbst zugeschnittenem Schrägband aus dem Blusenstoff eingefasst. Den Saum habe ich mit fertigem Schrägband verstürzt. Leider habe ich da ein recht dickes erwischt, weswegen das Ganze ein bisschen starr ist. 


Ich hoffe, ich konnte euch wieder ein bisschen inspirieren. 

Eure NUHFFi


Montag, 26. August 2019

Lavendel-Duftsäckchen {Tutorial}

Hallo meine Lieben,

ich möchte euch gerne zeigen, wie schnell und einfach ihr so ein süßes kleines Duftsäckchen nähen könnt. 



Von meiner Hose Kira hatte ich noch ein Reststück von dem tollen Leinenstoff übrig. Auf Grund seiner Struktur finde ich, dass er sich sehr gut für so ein Nähprojekt eignet, aber auch Baumwolle oder andere Webware wäre denkbar. Die Größe des Stoffes kann natürlich individuell zugeschnitten werden, mein Streifen hat eine Größe von 20 x 8,5 cm. 


Als Plott habe ich mich für einen Schmetterling entschieden, weil sich auf meinem Lavendel im Garten auch immer viele dieser wunderschönen Tierchen tummeln. Beim Stoff die Mitte/Bruch bestimmen und knapp darüber aufbügeln. Auch eine Häkelbordüre hätte sicher gut gepasst, falls ihr keinen Plotter habt. Lasst eurer Kreativität einfach freien Lauf. 


Anschließend habe ich die obere und unter Kante mit einem Schrägband versäubert, in meinem Fall in dunkelblau, passend zum Plott.


Die Seitennaht habe ich mit der Overlock zusammengenäht, das geht aber natürlich auch mit der Nähmaschine. 


In meiner Wollkiste habe ich mich dann auf die Suche nach einer passenden Kordel gemacht. Nachdem meine Wolle eine geflochtene Struktur hat, passt sie besonders gut. Mit einer Sticknadel habe ich die Wolle einmal rundherum durchgezogen. Ihr müsst hier nicht immer den gleichen Abstand einhalten, sieht man nach dem Zusammenziehen sowieso nicht mehr. Die Enden verknoten, damit nichts ausfranst und schon könnt ihr euer Säckchen befüllen. 

Ihr könnt es euch vielleicht denken, in mein Säckchen habe ich getrocknete Lavendelblüten eingefüllt. Schade, dass ihr nicht riechen könnt, wie gut es hier duftet. Das Ganze macht sich super neben der Badewanne oder aber natürlich klassisch im Kleiderschrank. Auch als kleines Geschenk für eure Lieben kommt es gut an. 


Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Nachnähen. 

Eure NUHFFi


Montag, 19. August 2019

Etuikleid Eigenkonstruktion

Könnte Werbung enthalten

Ich möchte gleich zu Anfang erwähnen, dass dieser Beitrag etwas ausufern könnte, ich nehme euch nämlich auf die Reise meines ersten eigenes Schnittes mit. Wer sich das also nicht antun möchte, steigt hier lieber aus. ;-)

DIE IDEE
Ich wollte ein schlichtes Etuikleid im Colourblocking-Stil aus Leinen konstruieren und nähen. Wenn man sich selbst einen Schnitt erstellt, steht man plötzlich vor so vielen Variablen und muss sich entscheiden: Wie soll der Halsausschnitt aussehen? Welche Verschlussart? Ärmel - Ja oder Nein? Wo und wie platziere ich die Abnäher? 

Halsausschnitt: Da war ich erst etwas unschlüssig. Zur Auswahl stand ein relativ hoher und flacher Rundhals und ein etwas tieferer Ausschnitt mit Kellerfalte, weil mir Falten einfach so gut gefallen. Es wurde dann aber doch der klassische Ausschnitt, weil ich die Befürchtung hatte, dass die Falte meinem schlichten Stil nicht gut tun würde.

Verschluss: Als Verschlussvarianten stehen im Allgemeinen Knöpfe oder Reißverschlüsse zur Verfügung, was sich bei einem Etuikleid dann von selbst klärt. Die einzige Überlegung, die man da noch anstellen kann, ist, ob der Reißverschluss im Rücken oder in der Seitennaht platziert werden soll. Nachdem die Ausschnittfrage bereits geklärt war und es ein relativ kleines Halsloch werden sollte, schied der seitliche Reißverschluss aus. Im Nachhinein war das sowieso die einzig sinnvolle Wahl, dazu aber beim Thema Abnäher mehr. 

Ärmel: Ein Etuikleid mit Ärmeln? Nein! Also doch, aber dann entweder Überschnittene oder Lange. Passte beides nicht zu meinem Kleid, also ärmellos. 

Platzierung der Abnäher: Ich wollte erst den Grundschnitt konstruieren und mir im Anschluss Gedanken dazu machen. 

DIE KONSTRUKTION:
Zuerst einmal habe ich den Grundschnitt Etuikleid konstruiert. An dieser Stelle möchte ich jedem, der sich mit der Konstruktion beschäftigen will eine Buchempfehlung aussprechen: Schnittkonstruktion für Damenmode von Guido Hofenbitzer. Im Juni war ich auf einem Konstruktionskurs, in dem wir nach dieser Anleitung einen Blusenschnitt erstellt haben und war so begeistert, dass ich mir das Buch gleich zugelegt habe. In meinem Bücherregal steht auch schon ein anderes Buch zum Thema Konstruktion, das kann diesem hier aber bei Weitem nicht das Wasser reichen. 


Nach dem Aufzeichnen des Grundschnittes wird dieser auf Seidenpapier abgepaust und die ersten Änderungen vorgenommen. In meinem Fall: Teilungsnähte bei Farbwechseln gestalten und Schulterabnäher verlegen. 

Etwas unvorteilhaft für das ganze Vorhaben war die Tatsache, dass ich den Stoff schon vor der Konstruktion gekauft habe und das relativ knapp kalkuliert. Das werde ich zukünftig definitiv nicht mehr tun, ich musste demnach die Konstruktion dem vorrätigen Stoff anpassen. Da stieß ich dann auf mein größtes Problem: vorhandener Stoff vs Schulterabnäher. 

Jedes Kleidungsstück aus Webware besitzt Schulterabnäher. Oft werden die allerdings in Form einer Passe weggemogelt. Das war auch mein Plan, was aber wegen dem bereits vorhandenen Stoff nicht ging. Eine Passe liegt im Normalfall im oberen Drittel der Armkugel. Hätte ich so weit oben schon von einer auf die nächste Farbe gewechselt, wäre mein Kleid zu kurz geworden, weil ich von jeder Farbe nur ca. 40 cm zur Verfügung hatte. Ich hätte natürlich eine Passe einfügen können und darunter nochmal die gleiche Farbe verwenden, das wollte ich aber nicht. Klassische Schulterabnäher wollte ich aber genauso wenig. 

Was also tun? Ich habe dann so lange in meinem schlauen Buch geblättert, bis ich die Antwort gefunden habe: Man kann die Schulterabnäher verschwinden lassen. Juhu, das war die Lösung. Voraussetzung hierfür ist eine Teilungsnaht in der hinteren Mitte. Gar kein Problem, da sitzt ja schließlich der Reißverschluss. 

DER PROTOTYP:
Sind die Änderungen am individuellen Schnitt, also dem Seidenpapier, vorgenommen, wird aus Nesselstoff ein Prototyp genäht.



Dann kommt die erste Anprobe und der Feinschliff. Ich musste meine Schulternaht verlegen, den Halsausschnitt und die Ärmlöcher anpassen. Nach Verlegung der Schulter haben natürlich die Halsausschnitte nicht mehr zueinander gepasst. Das waren dann so viele kleinere Änderungen, dass ich den oberen Teil meines Prototypen nochmal genäht habe. 

Hier am Foto könnt ihr die beiden Probestücke im Vergleich sehen. Rechts ist der ursprüngliche Prototyp und links nach den Änderungen. Jede Änderung muss natürlich auch wieder auf Papier übertragen werden. 


DAS NÄHEN:
Über das Versäubern habe ich mir natürlich schon während der Konstruktion Gedanken gemacht. Am Hals wollte ich mit einem Beleg arbeiten, bei den Armen habe ich mich hingegen für ein Schrägband entschieden. Das war übrigens eine Premiere für mich. Zwar habe ich schon mit Schrägband eingefasst, aber noch nicht gesäumt. War jetzt aber wirklich kein Hexenwerk. 

So sieht das gute Stück nun von innen aus. Vor dem Zusammennähen habe ich alle Kanten schön mit der Overlock versäubert. Bei den Rückenabnähern hatte ich etwas Angst. ob das wohl klappt mit dem Farbwechsel im Abnäher. Hier habe ich erst Ober- und Mittelteil zusammengenäht, die Nahtzugaben auseinander gebügelt und anschließend den Abnäher genäht. Weil ich ja wollte, dass mein hübsches Kleidchen absolut perfekt wird, habe ich sogar im Abnäher das Garn gewechselt. Total bescheuert, oder?


Und nun möchte ich euch nicht mehr länger auf die Folter spannen. Hier nun das gute Stück:


Anfangs hatte ich mal mit dem Gedanken gespielt, Nahttaschen einzuarbeiten, hab mich aber dann doch nicht getraut, weil ich die beim Prototypen vergessen habe und dann Angst hatte, die könnten im fertigen Kleid aufklaffen.


Mein Kleidchen hat übrigens noch keinen Namen und ich bin offen für Vorschläge. ;-)


Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen und ich konnte euch ein bisschen inspirieren.

Eure NUHFFi

Stoff: Hilco Leinen

Verlinkt: Creadienstag, The Creative Lovers, Dings vom Dienstag, Du für Dich am Donnerstag, Sew La La



Montag, 12. August 2019

Hilco Leinen - Bundfaltenhose Kira

Eine Leinenhose musste her. Gerade sind ja Hosen mit hohem Bund modern, bei denen man das Oberteil in die Hose steckt. Ich weiß schon, warum ich die nicht mag, irgendwie rutschen die bei mir immer. Genäht hab ich sie trotzdem und sie rutscht natürlich. 


Zum Schnitt: 
Bei der Hose Kira handelt es sich um einen Schnitt aus dem Hause Schnittmuster Berlin. Ich hatte ja schon einmal über die Bluse Ina berichtet und die Anleitungen sind echt ziemlich knapp. Wer noch nicht so viele Erfahrungen beim Nähen gesammelt hat, sollte die Finger davon lassen, außerdem handelt es sich um Schwierigkeitsstufe drei von drei. 


Vorab muss ich sagen, dass ich Schnitte mit inkludierter Nahtzugabe nicht mag. Erstens möchte ich meine Zugabengröße gerne selbst bestimmen und Zweitens finde ich persönlich, dass der Zuschnitt dann leichter ist, wenn ich nicht direkt am Papier entlang schneiden muss. Wovon ich außerdem höchst selten Gebrauch mache sind Knipse. Ich mache das im Normalfall nach Gefühl und das funktioniert meistens recht gut. 



Nun hat dieser Schnitt auch noch verschieden Zugabengrößen. Ja bitteschön, was soll das denn? Die Nahtzugaben sind durch gegenüberliegende Knipse gekennzeichnet. Ich habe es nachgemessen, mit Knips sind die Zugaben 1,6 cm. Es gibt aber auch Stellen ohne Knipse, dabei handelt es sich dann um eine Nahtzugabe von einem Zentimeter. Und dann gibt es natürlich noch die normalen Knipse, die man eben so kennt um sich zu orientieren. Ich musste mir also bei jedem Arbeitsschritt auf dem Schnittbogen die zu nähende Stelle raussuchen und gucken, ob da Knipse sind und wenn ja, dienen die der Orientierung oder geben die mir die Zugabe vor. Halte ich persönlich jetzt schon für sehr umständlich. Wenn schon Zugabe, wieso denn nicht einfach überall die gleiche Größe? Vielleicht versteh ich auch einfach den tieferen Sinn dahinter nicht. 


Auf Grund der sehr knappen Anleitungen sind mir dann natürlich auch ein paar kleinere Fehler unterlaufen. Beispielsweise habe ich mich schon gewundert, wieso die Gürtelschlaufen denn so extrem lang sind, habe aber nicht weiter darüber nachgedacht und die Schlaufen, wie ich das von anderen Hosenschnitten kenne, bei Beinen und Bund zwischengefasst. Der Bund war dran, die Schlaufen mit einem Ende angenäht, da fällt mir auf, dass die Schlaufen ja genau doppelt so lange wie der Bund hoch ist. Das hat dann zumindest den Vorteil, dass ich oben am Bund keine offene Kante habe, die nach fünf mal waschen ausgefranst ist. Also alles wieder aufgetrennt und die Schlaufen mit beiden Enden eingenäht. Muss einem vorher ja jemand sagen, sonst weiß man das nicht. 


Die Hose kommt mit einem seitlichen Reißverschluss daher. Weil ich das vor meiner Shoppingtour natürlich nicht gelesen habe, habe ich einen normalen Hosenreißverschluss gekauft, mit dem ich dann natürlich so überhaupt gar nichts anfangen konnte. Eigentlich wäre hier ein nahtverdeckter Reißverschluss das Mittel der Wahl, da hatte ich aber natürlich keinen passenden. Meine Entscheidung fiel dann auf meinen Endlosreißverschluss. Die Hose war fast fertiggestellt, es hätte nur noch der Bund umgeklappt werden müssen und gesteppt werden, da wollte ich aber unbedingt schon einmal Probeschlupfen. Es kam, wie es kommen musste: das Gute Stück gleitet mir aus der Hand, ich greife danach und welches Teil bekomme ich zu fassen? Den Zipper vom Endlosreißverschluss!!! Und schon war er draußen. Man kann einen Zipper nicht falschherum wieder auffädeln, ich habe es eine Stunde lang versucht. "Meister, ich bin fertig. Darf ich trennen?" Aber wie ihr sehen könnt, habe ich ihn tapfer rausgetrennt, den Zipper aufgefädelt und wieder eingenäht. 


Noch ein Wort zum Stöffchen: 
Ergattert habe ich diesen 100% Leinen auf dem deutsch-holländischen Stoffmarkt. Er kommt aus dem Hause Hilco und ich liebe ihn. Ich kenne einige Menschen, die Leinen nicht mögen, weil er kratzen würde. Diese Leinenstoffe gibt es und ich bin da auch sehr empfindlich, daher kann ich euch versichern, dieser hier kratzt gar nicht. Auch die Faltenbildung hält sich zu meiner Entzückung relativ in Grenzen. 

Was sagt ihr zu meinem Neuzugang?

Eure NUHFFi